Kakanische Köpfe und böhmische Dörfer I: Karl Kraus' Kampf gegen das Feuilleton
Kakanien (eine Wortschöpfung Robert Musils) meint die Doppelmonarchie Österreich Ungarn, die Welt des „Mannes ohne Eigenschaften“, die Welt auch des Schriftstellers Karl Kraus, der in monomanischer Verve die entstehende Kulturindustrie im Wien des fin de siècle mit nicht enden wollender Kritik verfolgte.
Hatte Musil Österreich attestiert, dass dort „die Abneigung gegen den Mitbürger bis zum Gemeinschaftsgefühl ge stei gert (war)“, so befand Kraus: „Am Chauvinismus ist nicht so sehr der Hass gegen die fremden Nationen als die Liebe zur eigenen unsympathisch.“ Die Presse erschien ihm als das zentrale Übel der Epoche. Die Kultur wird durch die Phrase erledigt. Denn: „Im Anfang war die Presse und dann erschien die Welt.“ Die Presse lebt vom Feuilleton, und was ist eigentlich ein Feuilleton? „Auf einer Glatze Locken drehen“, beschied Kraus. Und den bedeutendsten Übeltäter hatte er auch ausfindig gemacht: Heinrich Heine, „der der deutschen Sprache so sehr das Mieder gelockert hat, dass heute alle Kommis an ihren Brüsten fingern können.“
Machen wir uns also an die Arbeit. An diesem Abend soll neben einem Porträt des Kritikers auch eine Lesung aus Passagen seiner Texte stehen.