Die Einzigartigkeit der Menschen. Karl Jaspers Existenzphilosophie
Unbestreitbar ist der Ausgangspunkt aller Betrachtungen, die wir über das Leben der Menschen anstellen, die Existenz einzelner Menschen, so banal es sich anhört. Die Einzelheit ist die Grundform der Existenz. Als Einzelne kommen wir auf die Welt. Jeder muss sein Leben führen, keiner das eines anderen. Das Gleiche gilt vom Tod. Alle Gemeinschaft – auch die der gemeinsamen Sprache – hebt diese Einzelheit nicht auf. Jeder bleibt auch in der Gemeinschaft ein Einzelner. Das Allgemeine ist nichts von den einzelnen Individuen Getrenntes, sondern das, was ihnen allen gemeinsam ist. Die Dimensionen, die heute in unserer Lebenswelt vorherrschen, lassen das Verständnis für die Einzelheit. nicht aufkommen. Das betrifft die Naturwissenschaft wie die Technik und die Ökonomie.
Die Existenzphilosophie, die das Individuelle in den Mittelpunkt der Betrachtung über den Menschen stellt, verdient daher heute besondere Beachtung. In den drei Vorlesungen von Karl Jaspers aus dem Jahre 1937, die er unter dem Titel Existenzphilosophie 1956 veröffentlichte, sind die Grundbegriffe dieser Philosophie bündig zusammengefaßt. Es waren Jaspers' letzte öffentliche Vorträge vor seiner gewaltsamen Entfernung aus dem Lehramt durch die Nazis.