Wider den erkenntnistheoretischen Neoliberalismus
Vor Weihnachten sah ich eine Sendung im Fernsehen, in der wieder einmal der Hirnforscher Singer seine Sicht der Realität ausbreitete. Die anwesenden Diskussionspartner, Philosophen, brachten Anmerkungen vor, kritische natürlich. Aber das Szenario war eindeutig: Der eine expliziert die Realität, die anderen kommen mit Worten. Ich dachte, über die Weihnachstage hätte ich das längst vergessen, aber es ist nicht so. Daher nun noch einmal zum Thema. Es geht nicht gegen die Hirnforschung generell. Das vorweg gesagt. Es geht gegen die Deutung ihrer Resultate, auch nicht von allen Hirnforschern, sondern von denen, die die Freiheit des Menschen leugnen. Zunächst möchte man am liebsten wie Nietzsche argumentieren: Welches Interesse steckt dahinter, die Freiheit zu leugnen, wenn davon ausgegangen wird (wie Nietzsche es tut), dass hinter allem Wahrheitsgetue doch ein Interesse verborgen ist, das die Erkenntnisse leitet, das berühmte erkenntnisleitende Interesse. Dann ist klar: Wer die Freiheit leugnet, will nicht die Befreiung. Wir haben es schon immer gewusst: Wer die Freiheit leugnet ist ein Reaktionär. Auch wenn in hochwissenschaftlicher Verkleidung. Wir sollen uns dem Schicksal ergeben. Die ganze Absage an die Freiheit ist ein Schlag gegen die Mündigkeit des modernen Menschen, gegen die Möglichkeit seiner Selbstbestimmung. Es geht dagegen, dass die Menschen ihre Geschichte mit Bewusstsein machen. Geschichte mit Bewusstsein machen zu wollen, soll die größte aller Täuschungen sein. Und das im aufkommenden Zeitalter der Universalität, wo nur eine Weltinnenpolitik in der Lage ist, die globalen Probleme zu lösen. Hirnforschung, die die Freiheit leugnet, ist im Kern nichts anderes als erkennntistheoretischer Neoliberalismus: Der Markt, d.h. der Selbstlauf der Geschichte soll es richten, nur nicht reinpfuschen in seine Regulierung! Banker haben uns vorgemacht, wo wir dann landen.
- Weblog von stamer
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben