Friedrich Nietzsche - Die Geburt der Tragödie
Die Geburt der Tragödie – 1872 erstmals veröffentlicht – ist das erste bedeutende Werk Nietzsches. Krachend schlug es in die herrschende kulturelle Szenerie von vergeistigter Klassikverehrung im Stile Winckelmanns und rationalistischem Wissenschaftsverständnis des 19. Jahrhunderts ein. In der Spannung von Apollinischem und Dionysischem – diesen zwei Grundtrieben der Kultur – erkannte Nietzsche ein fundamentales Prinzip, das ihm ermöglichte „die Wissenschaft unter der Optik des Künstlers zu sehen, und die Kunst unter der des Lebens...“ Er brach nicht nur mit dem herkömmlichen Verständnis der wissenschaftlichen Philologie, was die griechische Antike betraf, sondern schärfte zugleich den diagnostischen Blick auf die Gegenwartsverhältnisse. Sigmund Freuds Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ steht in dieser Tradition, die Nietzsche eröffnete.